Macrorhabdiose – Megabakteriose – Going-Light-Syndrom - Pilzinfektion bei Wellensittichen

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  • Macrorhabdiose ist weitläufig unter dem Namen Megabakteriose bekannt, der jedoch fälschlicherweise vermuten lässt, dass es sich um Bakterien handelt. Richtigerweise handelt es sich bei Macrorhabdiose um eine Pilzerkrankung. Bei einem Schub hindern diese Pilze den Wellensittiche daran, die aufgenommene Nahrung zu verwerten. Der Wellensittich verhungert, obwohl er frisst.
    Macrorhabdiose

    Bedeutung:
    Bei der Macrorhabdiose handelt es sich um eine Pilzerkrankung. Die Pilze besiedeln den Magen-Darm-Trakt der Wellensittiche. Bekannter ist diese Erkrankung unter dem Begriff „Megabakteriose“ („Megabakterien“ oder „Megas“), da man bis vor einiger Zeit noch davon ausging, dass es sich um Bakterien handelt. Die genaue Bezeichnung dieses Pilzes ist Macrorhabdus ornithogaster. Ein Ausbruch der Krankheit wird auch Going-Light-Syndrom (GLS) genannt.


    Beschreibung:
    Der Macrorhabdus ornithogaster-Pilz ist eine sehr häufig auftretende Erkrankung bei Wellensittichen. Manchen Beschreibungen nach sollen ca. 80 Prozent der in Privathaltung lebenden Wellensittiche diesen Pilz in sich tragen, anderen Behauptungen zufolge soll die Dunkelziffer deutlich höher liegen. Die genaue Höhe lässt sich auch deshalb nicht feststellen, weil viele Wellensittiche diesen Pilz zwar in sich tragen, die Krankheit aber nie ausbricht. Hierbei spricht man von „Trägern der Macrorhabdiose“.


    Symptomatik:
    Wellensittiche können den Pilz jahrelang in sich tragen, ohne dass die Krankheit je ausbricht. Auslöser für den Ausbruch der Krankheit (den sogenannten Megabakteriose- oder Macrorhabdiose-Schub) ist häufig Stress. Stress kann z.B. durch einen Umzug, durch neue Artgenossen in der Voliere oder auch durch die Mauser entstehen.

    Kommt es zum Ausbruch, sind häufige Anzeichen Würgen und Erbrechen. Auch Trockenwürgen kann ein Anzeichen sein. Leider sind die Symptome nie ganz eindeutig, denn auch ohne Würgen kann ein Schub vorliegen.

    Häufig begleitet wird ein Schub durch rapiden Gewichtsverlust. Die Pilze im Darm hindern daran, die aufgenommene Nahrung zu verwerten. Diese wird unverdaut wieder ausgeschieden (unverdaute Körner im Kot).

    Dieser rapide Gewichtsverlust ist auch der Grund, warum man vom „Going-Light-Syndrom“ spricht (auf deutsch: "dünner-werden"). Der Vogel nimmt sehr schnell ab, obwohl er vermehrt frisst. Wellensittiche sind dann besonders häufig am Futternapf zu sehen.

    Manchmal sitzen sie auch nur am Fressnapf und kauen auf den Körner herum, ohne sie herunter zu schlucken. Normales Körnerfutter ist in so einem Fall schwer verdaulich und wird gemieden. Das kann man dann am „Körnermehl“ im Fressnapf erkennen. Oftmals kann auch ein vermehrtes Sandfressen beobachtet werden. Der Vogel versucht damit, seine Magenschmerzen zu verringern. Die Pilze verursachen beim Verdauungsprozess eine Gährung und Aufgasung im Magen-Darm-Trakt.

    Kotveränderungen können ebenfalls in einigen Fällen beobachtet werden. Dieser hat dann häufig eine matschige Konsistenz. Sollte der Wellensittich gar kein Futter mehr aufnehmen, färbt sich der Kot oft schwarz (der sogenannte "Hungerkot").

    Ansteckung:
    Eine Ansteckung erfolgt oftmals bereits im Nistkasten. Die Elterntiere übertragen ihren Küken bei der Fütterung diese Pilze. Eine Ansteckung unter erwachsenen Vögeln ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. An Macrorhabdiose erkrankte Wellensittiche oder Träger dieser Krankheit können erwachsene kranke Wellensittiche oder Wellensittiche mit einem geschwächten Immunsystem durchaus infizieren. Sollte zusätzlich im Schwarm noch eine Immunschwächekrankheit, wie z.B. PBFD, vorhanden sein, ist das Risiko einer Ansteckung deutlich höher. Die Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt (z.B. gegenseitigs Füttern oder Aufnahme von infiziertem Kot).

    Es ist jedoch auch möglich, dass nur ein Wellensittich aus dem Schwarm plötzlich einen Macrorhabdiose-Schub erleidet, seine Artgenossen sich jedoch nicht anstecken.


    Allgemein:
    Bei der Macrorhabdiose handelt es sich um eine chronische Erkrankung. Eine Heilung ist nicht möglich. Lediglich akute Schübe können durch die Medikamentengabe möglicherweise gestoppt werden. Es kann also vorkommen, dass diese Erkrankung immer wieder ausbricht. Jedoch können zwischen einzelnen Schüben Jahre liegen.

    Leider greift das einzige wirksame Medikament (Ampho Moronal) die Leber des Wellensittichs extrem an.


    Diagnose:
    Wie schon erwähnt, sind häufige Anzeichen für einen Ausbruch dieser Pilzinfektion Würgen, Erbrechen und eine schnelle Gewichtsabnahme. Es kann jedoch auch vorkommen, dass die Symptome gar nicht so offensichtlich sind, also rein äußerlich kein Krankheitsausbruch zu erkennen ist. Eine Möglichkeit, die Krankheit dennoch festzustellen, ist eine Röntgenaufnahme beim vogelkundigen Tierarzt. Häufig kann man auf dem Röntgenbild eine Gasblase im Drüsenmagen erkennen. Dies kann ein Hinweis auf eine Pilzinfektion sein.


    Was tun, wenn die Krankheit ausgebrochen ist:
    Bei Verdacht auf einen Macrorhabdiose-Ausbruch ist ein schnelles Handeln dringend erforderlich. Der erkrankte Wellensittich ist möglichst schnell dem vogelkundigen Tierarzt vorzustellen. Ein Schub in Verbindung mit rapider Gewichtsabnahme kann unbehandelt schnell zum Tode durch Verhungern führen.

    Nachgewiesen wird diese Krankheit im Normalfall durch eine Kotuntersuchung unter dem Mikroskop. Leider kann es vorkommen, dass die Pilze im Kot nicht nachweisbar sind, da sie nicht konstant ausgeschieden werden. Am besten nachweisbar sollen die Pilze im frischen Morgenkot sein. Bei Zweifeln kann eine Röntgenaufnahme hilfreich sein. Die Pilze können den Magen-Darm-Trakt aufgasen und so eine Gasblase ist auf dem Röntgenbild erkennbar.

    Behandelt wird diese Erkrankung mit einem Antimykotikum mit dem Wirkstoff Amphotericin B. Im Regelfall handelt es sich hierbei um das Medikament Ampho-Moronal. Dies ist eine orangefarbene Suspension. Über die genaue Dosierung und Dauer der Medikamentengabe gibt der vogelkundige Tierarzt Auskunft. Im Regelfall beträgt die Behandlungsdauer 4 Wochen.

    Es dauert eine Weile bis das Medikament anschlägt. Leider gibt es sehr häufig gefiederte Patienten, bei denen der gewünschte Erfolg der Behandlung ausbleibt.

    Ein Macrorhabdiose-Schub kann manchmal von einer bakteriellen Infektion begleitet werden (bakterielle Sekundärinfektion), sodass es gegebenenfalls erforderlich ist, zusätzlich ein Antibiotikum zu verabreichen.

    Leicht verdauliches Futter wird bei einem Schub vom kranken Wellensittich bevorzugt. Manchmal wird die Aufnahme von normalem Körnerfutter komplett verweigert, da dieses schwerer verdaulich ist. Halbreife Hirse oder Kolbenhirse werden dann sehr gerne angenommen, aber noch besser ist Keimfutter. Dieses ist leicht verdaulich. Anstatt das Keimfutter nur mit Wasser, kann man es auch mit einer Thymian-Tee Mischung quellen lassen (Wasser und auf Zimmertemperatur abgekühlter Thymian-Tee im Mischungsverhältnis 1:1).

    Wichtig ist, dass bei einem Schub dem Wellensittich ausreichend Futter den ganzen Tag über zur Verfügung steht, damit seine Gewichtsreduktion möglichst gestoppt wird.

    Auf Zucker (z.B. Obst oder Honig in Knabberstangen) sollte bei einem Fall von Macrorhabdiose komplett verzichtet werden. Pilze nähren sich von Zucker. Durch die Gabe von Obst oder anderen Zuckerprodukten kann ein Schub begünstigt oder sogar ausgelöst werden. Bei einem schon vorhandenen Krankheitsfall kann Zucker den Schub verstärken.

    Die Meinungen gehen da ein wenig auseinander, aber wenn es bereits einmal einen Schub gegeben hat, ist es vielleicht sinnvoll, auf die Gabe von Obst und anderen Zuckern komplett und dauerhaft zu verzichten.

    Häufig wird angeraten, das Trinkwasser bei einem Megabakterioseschub oder sogar prophylaktisch mit Apfelessig anzusäuern. In einem sauren Milieu soll den Pilzen angeblich der Nährboden entzogen werden. Dies wurde jedoch vor einiger Zeit in wissenschaftlichen Tests widerlegt. Im sauren PH-Wertebereich (3-4) fanden diese Pilze optimale Wachstumsbedingungen.

    Ferner kann bei einem akuten Schub mit rapider Gewichtsreduktion eine Wärmelampe förderlich sein. Kranke und dünne Wellensittiche frieren schneller. Auch verbrennen sie viel Energie bei der Wärmeproduktion. Das Angebot einer Wärmelampe wird häufig dankend angenommen.

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